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„Das Niveau bei der Endrunde wird hoch sein!“
30.01.2014

Die Hallenhockey-Saison 2013/2014 war vor allem von der Diskussion über die Umstellung auf Hockey5 geprägt. Zu Beginn der Saison wurde viel geunkt, doch kurz vor der Endrunde der Damen und Herren in Hamburg (8./9. Februar) haben sich die Teams im Oberhaus – man könnte sagen – damit arrangiert. Dabei haben sich unterschiedliche Interpretationen dieser neuen Spielweise herauskristallisiert, wie Stefan Kermas, als Trainer frisch gebackener Hallenhockey-Europameister mit den deutschen Herren, beobachtet hat.

Herr Kermas, die erste Saison mit Hockey5 liegt beinahe hinter uns. Ihr Fazit?
Zunächst einmal vorweg: Ich bin auch kein großer Freund von Hockey5, aber ich finde, dass sich Teams und Trainer in den letzten Monaten sehr aktiv und konstruktiv mit dieser Umstellung beschäftigt und sich entsprechend darauf eingestellt haben. Jeder schaut eben, wie er am besten damit umgehen kann. Man kann in der Liga eine klare Entwicklung erkennen. Die ist allerdings in den Staffeln zum Teil recht unterschiedlich ausgefallen.

Sie sagen selbst, dass Sie kein Freund des neuen Systems sind. Haben sie dennoch Vorteile entdeckt?
Die gibt es, doch leider für mich keine, welche die Attraktivität insgesamt erhöhen. Dennoch sind zum Beispiel die taktischen Szenarien, auf die ein Trainer seine Mannschaft vorbereiten muss, um ein Vielfaches komplexer geworden. Das macht es für die Trainer natürlich noch spannender und intensiver. Ein präzises und ausgeprägtes Passspiel hat zudem nun einen deutlich höheren Stellenwert. Aber, ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass das an der nun eher fehlenden Dynamik des Spiels etwas ändert.

Was meinen Sie damit?
Analysiert man einmal, wo das Spiel jetzt stattfindet, dann gibt es praktisch kaum noch ein Spiel im Mittelfeld der Halle. Der größte Teil der Spielzeit wird am Kreisrand verbracht, was schon dem Handball sehr ähnelt. Kleinste Fehler im Spielaufbau werden mit Kontern ins leere Tor, wie man es nicht selten gesehen hat, noch mehr und härter bestraft als zuvor. Ich denke aber, dass es mittlerweile für Trainer und Spieler nicht mehr um die Diskussion über das System gehen sollte, sondern darum zu versuchen, jeden Angriff konsequenter und mit Erfolg auszuspielen

Bitte beschreiben sie uns doch kurz, welche Spielsysteme sich in dieser Saison entwickelt haben!
Defensiv gibt es nach meinen Beobachtungen zwei vorherrschende Systeme: Man sieht die klassische Box, wie man sie vom bekannten „Fünfer-Würfel“ kennt – nur eben ohne Mittelmann. Da variieren die Teams, indem sie mal die beiden vorderen, mal die beiden hinteren Spieler enger zusammenziehen. Das zweite Defensivsystem ist die Raute, die aber ebenfalls immer etwas unterschiedlich gespielt wird – mal stehen die Spieler fast wie ein T, mal kann man eine Art Libero dahinter erkennen. Jeder Trainer überlegt sich Details, um die Offensive des Gegners möglichst effizient stoppen zu können. Mir persönlich war bei der EM wichtig, dass die Mannschaft zwei Defensivsysteme beherrscht, sie schnell umschalten kann und weiß, warum sie jetzt so spielen muss. Komplettiert wird die gute Defensive mit einem Plan zum Ballgewinn – zum Beispiel mit Unterzahlpressing – und anschließendem Konterspiel. Wir sprechen hier jedoch nur über die Unterzahlabwehr! Gleichzahlsituationen bei den Herren habe ich in den letzten Wochen eher wenige beobachtet.

Und offensiv…?
In diesem Fall will ich weniger von Systemen reden als davon, bestimmte Prinzipien zu nutzen, um aus eigenem Ballbesitz eine Torchance zu erspielen. Ich selbst finde, dass die Vorteile des Überzahlspiels, also des Spiels mit fünf Feldspielern, das Risiko, in einem Konter leichte Gegentore zu bekommen, klar überwiegen. Deshalb bevorzuge ich den Spielaufbau mit fünf Spielern. Das haben wir bei der EM auch fast komplett so durchgezogen. Auch da kann es natürlich variieren, ob man zum Beispiel mit einem Zweier- oder Dreieraufbau agiert oder wo man seine Angreifer postiert

Welche Variante wird bei der Endrunde aus Ihrer Sicht die Erfolg versprechende sein?
Bei den Herren glaube ich an das Szenario: Wenn zwei gleichwertige Mannschaften aufeinander treffen, wobei eine offensiv zu viert spielt und die andere zu fünft, wird letztere den Titel holen. Aber ich denke, dass die Topteams die Fünfervariante eh bevorzugen. Also wird es darum gehen, wer diesen Aufbau besser spielt. Bei den Damen hingegen wird es eher zu einem Duell der Systeme kommen, glaube ich. Da hat man einige Topteams gesehen, die über die Saison mit vier Spielerinnen offensiv gespielt haben. Die werden sich vermutlich nicht zur Endrunde umstellen. Andere haben auch hier bewusst die Überzahlvariante gewählt und fast durchgängig gespielt. Das wird spannend! Aber natürlich muss am Ende beides passen, und eine starke Defensive gehört bekanntlich eh dazu, wenn man einen Titel gewinnen möchte.

Vielerorts hat man sich darüber geärgert, dass die Attraktivität des Hallenhockeys unter Hockey5 gelitten habe. Was können wir von den Spielen bei der Endrunde in Hamburg erwarten?
Bei unserer EM ist schnell klar geworden, dass es auch mit Hockey5 ein hohes Niveau geben wird. Das liegt aber auch daran, dass dort viele der besten Spieler Europas auf dem Platz standen. Ich bin überzeugt, genau das wird auch dazu beitragen, dass die Endrunde auf einem sehr hohen technischen und taktischen Niveau stattfindet und in der Halle eine entsprechend gute Stimmung vorherrschen wird. Die Teams stehen dem Thema mittlerweile offener gegenüber, machen mit ihren qualitativ hohen Möglichkeiten das Beste daraus. Ich denke wir können uns auf eine gute Endrunde mit spannenden, weil engen Spielen freuen.
53. Hallen-Endrunde Damen & Herren
08. & 09. Februar 2014 in Hamburg