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Interview: „Die schönste Stadt der Welt“ immer im Hinterkopf
25.06.2015

Franzisca Hauke kommt mit Rot-Weiss Köln als Titelverteidigerin zur Deutschen Endrunde der Damen und Herren am 4./5. Juli am Hamburger Rothenbaum. Die gebürtige Hamburgerin, die lange für den Harvestehuder THC spielte, ist seit Kurzem - ebenso wie Bruder Tobias das ja schon länger bei den Herren ist – Mitglied der Führungsgruppe in der Damen-Nationalmannschaft und trägt daher ebenso wie er ab und an die Kapitänsbinde. Gerade konnte sich Franzisca Hauke mit dem Nationalteam für Rio 2016 qualifizieren. Im Interview blickt sie auf die Endrunde voraus und erzählt auch über ihre Rolle im Nationalteam.

Franzisca, Du hast mit Rot-Weiss Köln in den letzten Jahren sehr erfolgreich bei deutschen Meisterschaften gespielt. Oft waren aber andere, wie der UHC, eher Favorit…
„Das stimmt! Die Außenseiterrolle hat uns mehr gelegen! Und die ist vom Papier her ja auch okay, wenn man darauf schaut, in welchem Team wieviele Nationalspieler stehen. Für uns ist das ein großer Ansporn, dem Favoriten Salz in die Suppe zu streuen. Es reizt uns, Teams zu schlagen, die nominell besser besetzt zu sein scheinen.“

Wenn alles so bleibt, wie zurzeit in der Tabelle, wäre der Münchner SC Euer Halbfinalgegner. Da wäret Ihr dann eventuell selbst der Favorit, oder?
„Das Match wäre zumindest sehr, sehr ausgeglichen. Ich würde den UHC auch dieses Mal gar nicht als Favoriten bezeichnen, eher ist ja Düsseldorf durchmarschiert in dieser Saison. München ist so etwas wie ein Geheimfavorit. Die sind defensiv extrem stark und schwer zu spielen, was uns nicht so sehr liegt.“

Nun bist Du ja Hamburgerin. Ergäbe das einen gewissen Heimvorteil gegen München?
„Es ist für mich immer etwas Besonderes, in Hamburg zu spielen, weil da meine ganze Familie und viele Freude kommen. Aber der MSC bringt immer sehr viele, sehr laute Fans mit – insofern weiß ich nicht, ob es da für uns einen Heimvorteil gäbe!“

Unterstützt Du als gebürtige Hamburgerin die Olympiabewerbung, obwohl Du in Köln lebst?
„Total! Als ich gehört habe, dass sich Hamburg bewirbt, habe ich mich eher geärgert, dass es um 2024 geht, weil ich das als Aktive wohl nicht mehr erleben werde. Die Olympiabewerbung wird der Stadt Hamburg definitiv gut tun. Und wenn Hamburg Austragungsort wird, werden die Sportler aus aller Welt hier viel Spaß bei Olympischen Spielen haben!“

Wie groß ist die Erleichterung, die Qualifikation für Rio durch den 3. Platz in Valencia bereits in der Tasche zu haben, auch in Hinblick auf die deutsche Endrunde und die EM 2015?
„Riesig! Der ganze Druck der letzten Monate ist von einem abgefallen. Weil wir uns voll auf diese Olympia-Qualifikation konzentriert haben, haben wir zuletzt auch nicht mehr so viel mit unseren Vereinsteams gemacht. Da tut es gut, jetzt vor der DM-Endrunde mal wieder voll den Fokus auf das Clubteam und die Vorbereitung auf die deutsche Meisterschaft zu setzen. Und mit der Nationalmannschaft wird es uns extrem gut tun, bei der Europameisterschaft in London mal befreit aufspielen zu können. Wir werden uns dadurch dort gut weiterentwickeln und in der Teamentwicklung einen Schritt vorwärts Richtung Rio machen können.“

Jetzt bist Du als Mitglied der Führungsgruppe im Nationalteam ja mehr in der Verantwortung als früher und hast die ja unter anderem mit den zwei entscheidenden Penaltys gegen Spanien auch gerechtfertigt. War die neue Rolle schwer für Dich?
„Nein, denn ich bin ein Mensch, der gern Verantwortung übernimmt. Das liegt mir mehr, als ‚nur eine von Elf’ auf dem Platz zu sein. Ich bin ja auch Kapitänin bei Rot-Weiss. Gerade nach dem letzten Jahr, das mit der Nicht-Nominierung für die WM in Den Haag ja nicht so gut für mich gelaufen ist, hat mir das Vertrauen, das Jamilon Mülders in mich gesetzt hat, sehr gut getan. Mir war immer klar, auch wenn wir zurücklagen, dass er von mir erwartet, in solchen Situationen Verantwortung zu übernehmen, und das gibt mir eher einen Pusch, als dass ich dann unter dem Druck leide!“

Es gibt in Hamburg immer mal wieder das Gerücht, dass Du in die Hansestadt zurückkehrst. Ist das überhaupt ein Thema?
„Im Hinterkopf ist Hamburg bei mir immer, weil das die Stadt ist, in der meine Familie lebt, und weil es für mich auch die schönste Stadt der Welt ist. Aber sportlich fühle ich mich bei Rot-Weiss zurzeit sehr wohl. Ich habe mit Markus Lonnes einen sehr guten Trainer und glaube, dass ich in Köln die beste Vorbereitung Richtung Rio haben kann. Wenn ich nach Hamburg zurückkäme, käme für mich nur der HTHC als Club in Frage, und die spielen halt zurzeit nicht auf demselben Niveau. Daher ist das im Moment kein Thema. Nach Rio ist das für mich aber nicht ausgeschlossen. Ich halte mir das auf jeden Fall offen.“
70. [D] & 73. Endrunde [H] Feld
4./5. Juli 2015 in Hamburg