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Oskar Deecke: „Ein kleiner Neustart!“
29.06.2015

2015 scheint das Jahr des Oskar Deecke zu sein. Im Nationalteam feierte er ein exzellentes Comeback und holte mit den DHB-Herren bei der Olympia-Qualifikation in Buenos Aires das direkte Ticket für Rio 2016. Und mit dem Vereinsteam feiert er nun nach sieben Jahren Abstinenz das Erreichen eines deutschen Halbfinals auf dem Feld. Und das nach der besten Rückrunde aller zwölf Erstliga-Teams. Im Interview spricht der 29-Jährige über die Gründe für das Hoch.

Oskar, täuscht der Eindruck, dass bei Dir zwischen 2014 und 2015 irgendwann ein ganz großer Knoten geplatzt ist, mit dem Du letztes Jahr zu kämpfen hattest?
„Das ist absolut richtig! Ich hatte mir 2014 ein halbes Jahr frei genommen, um mich speziell auf die WM in Den Haag vorzubereiten. Mein Studium war fertig, ich hatte Praktika absolviert – und nachdem ich bei der WM 2010 nur eineinhalb Spiele absolviert habe, was irgendwie nicht mein Anspruch ist, wollte ich es für diese WM noch mal wissen! Aber genau das hat sich als für mich nicht richtig erwiesen. Dieses ‚nur Hockey’ entspricht mir nicht. Ich brauche auch Ablenkung und Abwechslung!“

Und wann und wie kam der Schwenk?
„Ich hatte nach der Nicht-Nominierung für Den Haag drei Monate Zeit, um Abstand zu gewinnen, habe mir die WM aus der Entfernung angeschaut und gemerkt, dass ich noch Lust auf das Thema Nationalmannschaft hatte. Danach habe ich ein Praktikum bei Thyssen-Krupp gestartet und parallel mit dem Trainer am Olympiastützpunkt voll weiter trainiert. Es war wie ein kleiner Neustart für mich!“

Du spielst auch eine andere Position jetzt, oder?
„Richtig! Interessanter Weise hatten der Bundestrainer und mein Vereinstrainer unabhängig voneinander die Idee, mich aus dem Sturm ins Mittelfeld zurückzuziehen. Und das kommt mir sehr entgegen. Ich brauche früh drei, vier knackige Zweikämpfe, um ins Spiel zu finden. Und das hast Du im Mittelfeld viel eher. Jetzt bekomme ich viel schneller Zugriff aufs Spiel.“

Ihr wart die beste Rückrundenmannschaft, aber konntet am Samstag in München trotzdem nicht gewinnen, als es um das Finalticket ging. Woran lag’s?
„Das stimmt! Wir hatten es gegen München zu 80 Prozent selber in der Hand, aber in dem Spiel wollte dann nichts von dem klappen, was vorher gut funktioniert hat. Das kann mal passieren und hat uns vor Augen geführt, dass es nie ‚von allein’ läuft.“

Hast Du Verständnis, dass einige da ‚typisch Krefeld’ gesagt haben?
„Wenn man sieht, dass wir die Jahre zuvor immer Fünfter wurden, und das bei teils viel besseren Chancen als in diesem Jahr, dann vielleicht! Aber ich finde, wir haben uns mit der Rückrunde in dieser Saison den Endrundenplatz absolut verdient.“

Woran lag eigentlich diese Leistungsexplosion in der Rückrunde? Und wie früh habt Ihr daran geglaubt, dass da etwas geht?
„Das hatte mehrere Gründe. Wir haben im Team umgestellt. Mit Robin Roesch haben wir zusätzliche gute Hockey-Expertise ins Trainerteam bekommen. Und Marc Appel hat zudem im Tor eine fantastische Entwicklung gemacht. Dazu kam, dass uns die vier Wochen World-League-Pause auch nicht geschadet haben, was ich befürchtet hatte. Der Lauf, den wir hatten, hat sich fortgesetzt. Am Anfang haben wir nicht wirklich an die Chance geglaubt, aber je größer sie wurde, desto mehr haben wir uns dafür reingehängt!“

Ihr habt in der Rückrunde auch gegen Euren Halbfinal-Gegner RW Köln gewonnen. Wie siehst Du die Chancen am Samstag?
„Wenn man sich den Kader anschaut, dann ist Köln schon favorisiert. Zumindest würde ich nicht sagen, die Chancen seien Fifty-Fifty. Aber wir haben nicht nur das Rückspiel gewonnen, sondern auch bei 1:2 im Hinspiel ein richtig gutes Match abgeliefert. Chancen sind auf jeden Fall da für uns!“

Man sagt über Teams, die wie Ihr in letzter Sekunde noch die Endrunde erreichen, dass es ihnen schwer fällt, die Spannung zu halten, weil sie schon über die Teilnahme froh sind…
„Die Gefahr sehe ich bei uns nicht! Wir haben in der Rückrunde gesehen, was alles möglich sein kann, wenn man sich volle Möhre reinhaut und Absprachen einhält! Wir sind glücklich, dass wir dabei sind, aber damit noch lange nicht zufrieden!“

Ist für Dich eine Endrunde in Deiner Heimatstadt Hamburg etwas Besonderes?
„Klar, freue ich mich immer, da spielen zu können, wo meine Familie und Freunde leben. Aber ich wohne nun schon neun Jahre in Köln und spiele in Krefeld, wo ich mich auch sehr wohl fühle – deshalb hat sich da auch schon ein bisschen Abstand aufgebaut.“

Wenn Du eine Prognose für das andere Halbfinale zwischen HTHC und UHC abgeben müsstest…?
„Das wird super spannend. Letztes Jahr durfte ich das Spiel am Live-Stream mit kommentieren. Zwischen den beiden Teams ist eine gewisse Konkurrenzsituation in der Hansestadt ja nicht wegzudiskutieren. Da geht es auch darum, wer die größte Hockeymacht in Hamburg ist! Es ist echt schwierig, einen von beiden da zu favorisieren, aber da der HTHC zuletzt nicht mehr so souverän war in der Liga, sehe ich den UHC dieses Mal leicht vorn. Aber da ist auch ganz viel von der Tagesform abhängig!“
70. [D] & 73. Endrunde [H] Feld
4./5. Juli 2015 in Hamburg